Sicherlich ist es nicht das erste Mal, dass Sie diesen Namen hören! Aber, wissen Sie genau was es bedeutet, polyzystische Eierstöcke zu haben? Wenn die Antwort nein ist, machen Sie sich keine Sorgen!, es herrscht nämlich viel Verwirrung hinsichtlich dieses Begriffes. Zunächst scheint es, das Vorkommen mehrerer Zysten im Eierstock zu bezeichnen. Es ist aber nicht so. Ärzte benützen den Ausdruck, wenn sie eine große Anzahl an Follikel in den Eierstöcken feststellen. Follikel sind aber keine Zysten, sondern diejenigen Strukturen, welche die Eizellen beinhalten, die noch nicht gereift sind. Das ist bei jungen Frauen üblich, und im Prinzip sollte es nicht besorgniserregend sein.

Dra. Beatriz Álvaro, Responsable de la Unidad del Síndrome del Ovarios Poliquístico

Dra. Beatriz Álvaro, Verantwortliche der Abteilung für Polyzystisches Ovarial-Syndrom

Man muss aber vorsichtig sein, denn Eierstöcke mit polyzystischem Erscheinungsbild können auch ein Symptom einer ovariellen Dysfunktion sein, die man mit dem Namen Polyzystisches Ovarial-Syndrom (PCOS) kennt. Dieses Syndrom bedarf medizinischer Versorgung, da es die Fruchtbarkeit beeinträchtigen und die Entwicklung metabolischer Störungen auslösen kann, wie beispielsweise Diabetes oder Übergewicht. Aus diesem Grund hat Dexeus Mujer eine spezifische Abteilung aufgestellt, deren Ziel es ist, dieses Thema mit einer multidisziplinären Perspektive anzugehen.

In diesem Post erklärt Dra. Med. Beatriz Álvaro, Verantwortliche dieser neuen Einheit, wie man dieses Problem unter Kontrolle halten kann.

 

 

Was genau ist das PCO-Syndrom und wie viele Frauen sind davon betroffen?

Es handelt sich um eine Eierstock-Dysfunktion, die hormonelle und metabolische Störungen verursachen kann. Die Ursache ich nicht genau bekannt, man vermutet aber, dass eine gewisse genetische Veranlagung mit im Spiel ist. Man hat berechnet, dass insgesamt zwischen 8 und 13% der weiblichen Bevölkerung betroffen ist. Viele betroffene Frauen wissen es jedoch nicht.

Warum?

Weil es sich um ein unterdiagnostiziertes Gesundheitsproblem handelt, da sein Erscheinungsbild sehr unterschiedlich sein kann und es oftmals schwierig ist eine frühe Diagnose aufzustellen. Das geschieht beispielsweise bei jugendlichen Frauen. Man geht davon aus, dass in den ersten acht Jahren nach Beginn der Menstruation Unregelmäßigkeiten und Akne auftreten können, sodass man einen gewissen Spielraum lassen muss bevor man „Etiketten“ aufsetzt.

Welche Symptome können auftreten?

Das ist von Frau zu Frau sehr unterschiedlich. Die üblichsten Symptome sind Akne, unregelmäßige Perioden, oder gar das Aussetzen derselben, und Hirsutismus. Charakteristisch sind auch ein hoher Körpermasseindex (KMI), die Tendenz zuzunehmen und Eierstöcke mit einem polyzystischen Erscheinungsbild. Dass aber das Aussehen der Eierstöcke polyzystisch ist, bedeutet nicht notwendigerweise, dass die Ursache das PCOS ist. Es kann auch einfach nur bedeuten, dass eine gute Ovar-Reserve vorhanden ist. Demzufolge sollten Ärzte diese Bezeichnung mit Vorsicht benutzen, anderenfalls könnten Verwirrung auftreten.

Wie kann man dann bestimmen, ob man das Syndrom erleidet oder nicht?

Um die Diagnose bestätigen zu können ist es notwendig, dass mindestens zwei der folgenden drei Bedingungen gegeben sind:

  1. Eierstöcke mit polyzystischem Erscheinungsbild
  2. erhöhter Androgenspiegel (männliche Hormone) im Blut oder gewisse physische Merkmale, die bezeichnend für diesen Überschuss an Androgene (Hirsutismus, Akne…) sind,
  3. Ausfall der Regel aufgrund von Anovulation, oder seltene und unregelmäßige Regeln.

Warum hat Dexeus Mujer entschieden eine spezifische Abteilung zu gründen, um dieses Syndrom zu behandeln?

Weil das PCOS ein Problem ist, dass eine größere medizinische Betreuung verlangt als die, die es bisher bekommen hat, und auch einen Behandlungsansatz erfordert, der spezifische Veränderungen der Lebensgewohnheiten (Ernährung, Sport usw.) beinhaltet, es ist nämlich bewiesen worden, dass solche Veränderungen im Lebensstil dazu beitragen können, das Syndrom zu verbessern und der Entwicklung weiterer Gesundheitsprobleme, die langfristig dadurch ausgelöst werden können, vorzubeugen.

Welche Art von Probleme?

Das PCOS wird mit einer Resistenz gegen Insulin in Zusammenhang gesetzt, wodurch die Entwicklung von Diabetes und Übergewicht begünstigt werden kann. Deshalb ist es sehr wichtig, dass die Verlaufskontrollen und die Beobachtung des Syndroms mit einer multidisziplinaren Perspektive durchgeführt werden, die Experten der Gynäkologie, Endokrinologie und der Ernährungswissenschaften miteinbeziehen. Das PCOS wird auch mit einem höheren Risiko an Störungen des Herz-Kreislauf-Systems in Verbindung gesetzt und, in einigen Fällen, können auch Probleme in der Fruchtbarkeit auftauchen, weshalb die Einbeziehung von Experten der Reproduktionsmedizin notwendig sein kann.

Welcher Prozentsatz der Frauen mit PCOS haben Fruchtbarkeitsprobleme?
Nach meiner Erfahrung kann ich sagen, dass 50% der Patientinnen, die ich gesehen habe, Probleme haben, die mit dieser Erkrankung zusammenhängen können (unregelmäßige Regeln, Hirsutismus, Akne…) und davon sind in etwa die Hälfte Frauen, die es nicht schaffen, schwanger zu werden.

Welche Lösungen gibt es in diesen Fällen? Ist es notwendig auf künstliche Reproduktionstechniken zurückzugreifen?

Man muss jeden einzelnen Fall gesondert analysieren. Wenn es sich um ein Problem von Anovulation handelt, und keine anderen Faktoren mit im Spiel sind (Eileiter-Anomalien oder ein männlicher Faktor), kann eine Hormonbehandlung um den Eisprung (Ovulation) zu bewirken angemessen sein. In Betracht der Resultate, sollte dann entschieden werden, ob es notwendig ist oder nicht auf In-Vitro-Fertilisation zurückzugreifen.

Allgemeiner betrachtet, welche Therapien gibt es für diese Krankheit?

Die Behandlung muss immer individuell aufgestellt werden. Im Allgemeinen ist die erste Option immer zu versuchen mittels der Befolgung gewisser Regeln in der Lebensführung (Gewichtskontrolle, regelmäßig Sport betreiben, die Einnahme von Zucker zu reduzieren usw.) das Syndrom unter Kontrolle zu halten. Oftmals reichen diese Maßnahmen samt regelmäßigen medizinischen Verlaufskontrollen. Wenn es damit nicht besser wird, kann eine medikamentöse Behandlung angebracht sein.

Meinen Sie Behütungsmittel einzunehmen …?
Das hängt von mehreren Faktoren ab. In einigen Fällen kann die Einnahme von Verhütungsmittel dazu beitragen die Akne und den Hirsutismus zu reduzieren oder sogar zu beseitigen. Aber sie heilen nicht das Syndrom, sie können ihn sogar überdecken, da manche Frauen erst dann merken, dass sie es haben, wenn sie aufhören Verhütungsmittel einzunehmen, weil sie schwanger werden wollen und erst dann bemerken, dass sie die Regel nicht bekommen, oder sie entwickeln dann Akne oder eine verstärkte Behaarung. Nichtsdestotrotz kann die Einnahme von Verhütungsmittel von Vorteil sein, da der vom PCOS ausgelöste Ausfall der Regel langfristig die Entwicklung von einem Endometriumkarzinom begünstigen kann, und die Einnahme von Verhütungsmittel dieses Risiko verringert.

Kann die Schwangerschaft positive Änderungen bewirken?

Es ist kein entscheidender Faktor. Im Laufe des Lebens können sich die Symptome ändern, mit der Alterung können sich diese mildern.

Verbessert sich das PCOS mit den Wechseljahren?

Einige Symptome schon, aber es wichtig, die medizinischen Verlaufskontrollen zu respektieren, da die Wechseljahre auch das Risiko von Herz-Kreislauf-Probleme herbeiführen. In der Tat leiden 40% der Frauen über 40 mit PCOS am sogenannten metabolischen Syndrom, das durch einen hohen Cholesterinspiegel, hohen Blutdruck und einen hohen Körpermasseindex (KMI) gekennzeichnet ist, drei Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die man unter Kontrolle halten muss.

Man darf sich also nicht entspannen…

Nein, aber man sollte auch nicht beunruhigt sein. Mit den angemessenen Maßnahmen und unter medizinischer Betreuung können wir das PCOS unter Kontrolle haben und das Auftreten weiterer Gesundheitsprobleme vermeiden. Die Aufstellung dieser neuen Abteilung verfolgt gerade dieses Ziel.